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Lebensplanung
Ich freue mich schon aufs Wochenende. Dann sehe ich endlich meine Stuttgarter Clique wieder.
Und natürlich Stefan. Wobei Stuttgarter Clique ja schon
fast nicht mehr stimmt. Wir kommen alle nach Stuttgart dieses Wochenende,
das stimmt. Aber nur noch Stefan und meine Freundin Anke wohnen dort. Alle
anderen haben sich in den letzten zwei Jahren kreuz und quer in Deutschland
verteilt, Michael wohnt jetzt sogar in London. Julia lebt in Hamburg, Tina und
Bernd sind gemeinsam nach Köln gezogen, Miriam ist in Frankfurt und Gerhard in
Dresden. Die letzte die weggezogen ist, bin ich.
Der Grund für das große Wiedersehen ist Ankes 30. Geburtstag. Deswegen werden wir
am Wochenende viel über alte Zeiten, das Älter werden, Kinder kriegen oder nicht,
und natürlich über unsere neuen Leben reden und wie es uns damit so geht. Das Gerede
von neuen Städten, neuen Jobs, neuen Wohnungen und (hoffentlich) neuen Bekannten kenne
ich schon von früheren Treffen. Als „Dagebliebene“ blieb ich da immer ein bischen außen
vor. Die meisten wollten eigentlich auch gern bleiben und mussten aber umziehen – der
Arbeit wegen. So wie ich jetzt auch.
Ehrlich gesagt, ein bisschen freue ich mich darauf, endlich bei den „Fachgesprächen“
der Job-Nomaden mitreden zu können. Bis vor kurzem belächelten sie mich immer ein bisschen –
(scheinbar) wohlwollend „ach du, Katja, du hast es gut, du ziehst im Schwabenland mit
deinem Stefan eure Kinder groß und musst höchstens noch in ein Reihenhaus in einen Vorort
ziehen“. Dann sprachen sie wieder von den unverschämten Preisen des öffentlichen Nahverkehrs
ihrer neuen Städte, von dem „engen Wohnungsmarkt“, den miesen Ausbeuter-Chefs, viel zu weit
entfernten Supermärkten, und auch von der Einsamkeit am Anfang und ihren Verspätungen mit der
Bahn, wenn sie mal wieder „heim“ fuhren.
Dieses Wochenende würde ich also nun auch als „mobile professional“ auftreten können.
Haha. Denn Reihenhaus und Kind sind (noch) nicht in Sicht und schließlich hatte auch ich einen
Job woanders gefunden. Ich denke daran, was ich erzählen werde nach immerhin drei Wochen in meinem
neuen Leben. Bis jetzt ist alles ganz gut gelaufen. Arbeit interessant, Kollegen nett, süße Wohnung
gefunden usw. nur eben so weit weg vom Liebsten.
Die anderen werden mich fragen, ob ich denn schon wenigstens etwas dafür getan habe,
neue Leute kennenzulernen. Bei unserem letzten Treffen hatten sie sich Tipps gegeben,
wie man das am besten anstellt, z.B. unbedingt in einem Fitnessstudio anmelden (ich mag keinen Sport),
zu After-Work-Parties gehen (nach der Arbeit habe ich Hunger und will zu meinem hoffentlich vollen Kühlschrank),
einfach mal im Bus/U-Bahn jemanden ansprechen (ich fahre viel lieber Fahrrad als mich in die Öffentlichen
zu quetschen) usw.
Hm, vielleicht habe ich den Ernst der Lage noch nicht richtig begriffen. Trotzdem,
ich freue mich aufs Wochenende.
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