|
|
 |
 |
 |
 |
Kinder, Kinder
Wochenende „zu Hause“ war wunderbar. Herrliche Entspannung,
Spaß zu haben mit Freunden, die man schon ewig kennt. Ankes
Party war nicht dieses müde Rumgesitze, zu dem Partys mit
zunehmendem Alter der Gäste immer mehr werden, sondern wirklich
Tanzen, Trinken und Herumalbern. Am nächsten Tag beim Brunch am
Mittag wurden die Gespräche dann aber doch ein wenig ernster.
Die große K-Frage kam auf den Tisch. Nicht das Kanzler- sondern
das Kinder-Thema.
Klar, wir sind alle Anfang dreißig, die biologische Uhr tickt
bekanntermaßen und für die Renten sollten wir auch was tun.
Trotzdem, von unserer alten Clique ist noch keiner Mutter oder
Vater. Und damit bewegen wir uns voll im Trend. In Deutschland
ist die Kinderquote pro Frau auf einen Tiefstand bei 1,3 Kind
pro Frau gesunken und Harald Schmidt animierte in der ARD schon
die Akademikerinnen (die angeblich die kinderfaulsten sind) zum
schwanger werden. Immerhin konnte jeder von Bekannten berichten,
die schon Kinder haben, demnächst eins bekommen sollten oder
zumindest daran „arbeiteten“. Warum aber wir alle (noch) nicht?
Nach der K-Frage kamen die Karten auf den Tisch:
Anke, die Gastgeberin, wollte grundsätzlich unbedingt Kinder,
ihr Freund hatte sie aber vor einem Jahr verlassen und seitdem
war kein adäquater neuer Partner aufgetaucht, Michael wusste es
nicht so genau und meinte, solange er in London lebe, käme ein
Kind jedenfalls nicht in Frage, die laute, dreckige, riesige
Stadt sei das allerletzte um Kinder in die Welt zu setzen, Julia
hatte in Hamburg gerade einen neuen Freund gefunden und vom
Kinder-Thema seien sie noch ein paar Schritte entfernt, Tina
und Bernd schließlich sagten, ja vor Tinas 35. wollten sie
unbedingt noch Mama und Papa werden, bis jetzt habe es nur
noch nicht geklappt, Miriam erzählte dann sogar, dass ihre
Regel schon zwei Tage überfällig sei und vielleicht könne
sie uns ganz bald eine freudige Nachricht machen.
Gerhard sagte komischerweise überhaupt nichts mehr, obwohl
er – mit vier Geschwistern aufgewachsen – am meisten der
Familienmensch unter uns ist. Und dann rückte er raus: Ja,
seine Dresdner Freundin Sybille und er würden schon so gern,
so lang, aber sie zermarterten sich den Kopf, ob sie es wagen
sollten, denn in Sybilles Familie gebe es die seltene
Chorea-Huntington-Krankheit, Sybille habe die Krankheit zwar
nicht, aber die Wahrscheinlichkeit der Weiter-Vererbung sei
groß. Bei einer Schwangerschaft könne man einen Gen-Test,
eine pränatale Diagnose, machen und dann im Fall des Falles
abtreiben. Das Dilemma: Beide wollen kein Kind mit Chorea
Huntington in die Welt setzen aber ein solches Kind (oder
besser gesagt einen solchen Fötus) auch nicht abtreiben müssen.
Ein für sie nicht lösbares moralisches Problem.
Ich dachte an meine Vaterschaftstests und war in dem Moment
ziemlich froh, dass es dabei nur darum geht, heraus zu finden,
wer der echte Vater eines (schon lebenden) Kindes ist – und nicht darum,
heraus zu finden ob es ein gesundes Baby wird.... und das, falls es das
nicht werden sollte, vielleicht gar kein Baby wird...
2 Kommentare. Letzter Kommentar: Deutschland - Kinderland? (2005-06-02)Neuer Kommentar
Impressum
|  |
 |
 |
 |
|
|