|
|
 |
 |
 |
 |
"Ich mache nichts Verbotenes!"
Habe gerade den Stecker aus dem Telefon gezogen. Seitdem ich hier endlich Festnetz-Anschluss habe, holt die komplette Verwandtschaft ihre Anrufe nach. Ständig "Erzähl doch mal von der neuen Arbeit" und "Hast Du Dich schon eingelebt?" jetzt "wo wir endlich ausführlich reden können". Wenn das so weitergeht, schaff ich die Nummer wieder ab. Handy ist Gott sei Dank allen zu teuer für Dauergespräche. Abgesehen davon, dass ich immer wieder die gleichen Basis-Daten wiederhole, muss ich mich auch noch ständig rechtfertigen.
Ja, ich mache Vaterschaftstests. Nein, ich mache nichts Verbotenes! Vor allem mein Vater geht mir unheimlich auf den Keks mit seiner Tour, diese Vaterschaftstests seien ja gesetzlich nicht so eindeutig geregelt und ob ich mich da nicht in eine "gefährliche Grauzone" begäbe. Nein, tue ich nicht! Am meisten ärgert mich, dass er ständig alles durcheinander bringt und irgendwas von "Verfassungsgericht" und "heimliche Tests verboten" faselt.
Bis jetzt gibt es kein Gesetz, das Vaterschaftstests verbietet, daher logischerweise auch keine heimlichen. Das einzige was es gibt, ist eine Entscheidung des Bundesgerichtshofes (nicht Verfassungsgericht!). Demnach dürfen Gerichte heimliche Tests nicht als Beweis einer Vaterschaft akzeptieren. "Heimliche Tests" sind es dann, wenn beispielsweise ein Mann überprüfen lässt, ob er der Vater eines Kindes ist, ohne dass die Mutter davon weiß oder zugestimmt hat.
Wenn also bei so einem "heimlichen Test" heraus kommt, dass der Mann nicht der Vater des Kindes ist, muss er wahrscheinlich weiter Alimente zahlen, weil das Ergebnis gerichtlich nicht gilt. Wenn die Mutter vom Test weiß und einverstanden ist, gilt der gleiche Test als Beweis vor Gericht. Etwas Verbotenes ist der Test aber in keinem Fall, weder für die Väter noch für mich als Testerin.
Auch in Zukunft wird sich das nicht ändern. Die Noch-Justizministerin Brigitte Zypries (SPD) würde die Tests zwar gerne verbieten, aber eine neue CDU/FDP-Regierung wird dies sicherlich nicht tun. Immerhin machen sich die unionsgeführten Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg schon seit längerem stark für legale Tests. Das ist meinem CDU-Stammwähler-Vater wohl auch entgangen.
Ich hoffe nur, dass es bald ein Gesetz zu Vaterschaftstests (und Gendiagnostik überhaupt) gibt,
1. damit mein Vater endlich mit seinen Einwänden bestehend aus Halbwissen und Angst vor eventuellen Gesetzesübertretungen aufhört und ich meine Ruhe habe
2. damit ich meinen Job behalte, wenn andere Männer das gleiche wie mein Vater glauben, traut sich ja keiner mehr zu testen
3. weil jeder Mann das Recht haben muss zu erfahren, ob er der Vater eines Kindes ist oder nicht und zwar mit den entsprechenden Konsequenzen. Warum soll ein Mann für ein Kuckuckskind zahlen?
P.S.: Bedarf für die Tests gibt es ja genug - zumindest wenn wir deutsche Frauen nur annähernd so zum Seitensprung neigen wie unsere österreichischen Nachbarinnen. Dort würden angeblich 43 Prozent der Frauen gerne fremdgehen und zehn Prozent der Kinder sollen nicht vom Dauerpartner sein.
Noch keine Kommentare.Neuer Kommentar
Impressum
|  |
 |
 |
 |
|
|