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Sommermusik
Im Sommer wird alles intensiver. Der Himmel wird blauer, die Bäume grüner, die Tage heißer, die Nächte länger ... und alles wird lauter! Die Leute kurbeln die Autofenster runter, steigen gleich ins Cabrio um, hängen auf ihren Balkonen statt in ihrem Wohnzimmer rum und schmeißen die Musik an. Wenn ich von der Arbeit nach Hause radle dröhnt mir der Kopf.
HipHop von ein paar Ghettoblaster-Jungs vermengt sich mit Blasmusik aus dem nächsten Biergarten. Aus den Autos dröhnt Latino-Pop und Gitarren-Rock. In der Wohnsiedlung, an der ich vorbei rausche liefern sich die Küchenradios einen Kampf der lokalen Radiosender. Zu Hause hört der Nachbar stupiden Bumm-Bumm-Techno und der Hausbesitzer scheint rund um die Uhr nur Rasen zu mähen und dazu Elvis Presley wieder auferstehen zu lassen.
Letztes Wochenende hat mich endlich mein Freund Stefan hier, in meiner neuen Stadt, besucht und er hatte Musik mitgebracht. Seit wir uns nicht mehr so oft sehen können und er massenweise Zeit hat, hängt er oft stundenlang vor dem Computer, sucht das Netz nach Musik ab und ladet sich alles Mögliche herunter - je exotischer desto besser. Seine neuesten Dudel-Dateien waren kitschige Naturklänge aus irgendwelchen Urwäldern und allerlei Kostproben lokaler Bands aus Guatemala.
Nicht dass ich die Sachen so schlecht fand, wie das hier jetzt vielleicht rüberkommt, aber wie gesagt, mir dröhnt der Kopf von der Sommermusik, die mir überall unfreiwillig den Gehörgang verstopft. Wochenende heißt doch auch endlich mal seine Ruhe haben, oder?
Naja, weil ich so wenig Interesse an seinen neuen persönlichen Sommerhits zeigte, hat er heute noch ein bisschen nachgetreten und mir einen Artikel geschickt, den er im Internet gefunden hatte: Laut einer Umfrage für Glamour und GQ hören Frauen beim Sex lieber Klassik, Männer bevorzugen dagegen Rap. "Und Du, Du hörst am liebsten gar nichts, ob mit oder ohne Sex", hat er etwas mimosenhaft dazu geschrieben.
Vielleicht müsse ich nur meinen persönlichen Sommersound finden, meinte er dann noch versöhnlich, dann könnte ich alle Musikbanausen um mich herum damit übertönen und herrlich ignorieren. Als Anhang hat er mir noch "leichte Klänge, die beruhigen, aber nicht einschläfern" mitgeschickt. Und die höre ich jetzt tatsächlich non stop auf dem MP3-Player, sobald ich das Haus verlasse. Ciao, ciao Hiphop-Jungs, Blasmusik-Heinis und Rasenmäher-Freunde ...
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