|
|
 |
 |
 |
 |
Einmal Embryonen bitte
Eigentlich denke ich in dieser Jahreszeit nur an eine Sorte Gefrorenes: Erdbeereis - nach allen möglichen neumodischen Geschmacksentwicklungen, immer noch meine unschlagbare Lieblingssorte. Stillhalten und genießen. Das einzige was passieren kann, ist, dass einem schlecht wird...
Tiefgefrorenes anderer Art kann da viel weiter reichende Folgen haben. Man kann zum Beispiel Embryonen einfrieren und dann kommt 13 (!) Jahre später ein Kind dabei raus. Das hat jetzt eine 45-jährige Kalifornierin zu Stande gebracht und angeblich war es die längste Einfrierzeit eines Embryos, der noch zu einem wirklichen Baby wurde.
Angeblich ist die Frau tiefreligiös, ... na dann wird sie schon wissen, ob aufgetaute Kinder in Ordnung gehen mit ihrem Gott. Doch ganz abgesehen von moralisch-ethischen Aspekten beschäftigt mich die Frage, wie das offenbar gesunde Kind wohl später mit seiner vorgeburtlichen Geschichte umgehen wird? Werden ihm seine Eltern irgendwann beichten, dass sie es auf Vorrat produziert hatten, um es dann erst einmal über ein Jahrzehnt in einer Kühltruhe abzuladen?
Das kleine Mädchen, Laina heißt es, wird ob mit oder ohne elterlichem Zutun irgendwann erfahren, dass zwischen seiner Befruchtung und seiner Geburt fast 14 Jahre vergangen sind - schon allein wegen des Medienrummels, der jetzt um das Sensationskind gemacht wird. Natürlich ist es nicht das einzige Kind, das erst nach einer embryonalen Kühlung in die warme Gebärmutter durfte. Noch ist das eine Ausnahme - die aber immer mehr werden. In den USA sollen eine halbe Million Embryonen auf Eis lagern. Familienplanung einfach gemacht.
Wird Laina die künstliche Befruchtung und die anschließende lange Eiszeit egal sein? Ist für ihre Einwicklung nur wichtig, genügend Familienliebe zu bekommen? Oder wird sie irgendwann ein frostiger Schauer erfassen, bei dem Gedanken an ihre außergewöhnliche Vorgeschichte? Ist es nicht trotz allen Fortschritts ein überaus seltsamer Gedanke, eigentlich schon fast 14 Jahre länger zu existieren (wenn auch nur in einer embryonalen Vorform), als man auf der Welt ist?
Mein stets pragmatisch orientierter Freund Stefan meinte zu meinem Gegrübel über die eventuell prä-embryonal beeinträchtige Psyche der kleinen Laina: "Na, was soll schon sein. Sie wird halt später Antarktisforscherin werden wollen und im Sommer an keiner Eisdiele vorbei kommen...so wie Du, wenn Du Erdbeereis siehst."
Noch keine Kommentare.Neuer Kommentar
Impressum
|  |
 |
 |
 |
|
|