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Das Abenteuer F.
Als wir uns vor zwei Monaten in das Abenteuer Fernbeziehung begaben, haben wir uns gegenseitig versprochen, dass wir es schaffen werden! Dem Los unserer Generation, beruflich immer flexibel und mobil zu sein und damit privat als einsamer Wolf zu enden, wollten wir mit unserer Liebe ein Schnippchen schlagen. Wir hatten uns Mut gemacht, mit Sätzen wie "wenn es Probleme gibt, werden wir einfach sofort ehrlich über alles reden".
Aber anscheinend gibt es in diesem Abenteuer F. viel mehr Berge zu überwinden und lange, enge Täler zu durchwandern, als wir uns jemals vorgestellt haben. Das letzte Wochenende war jedenfalls eine Riesen-Enttäuschung. Unser "Gipfeltreffen" (nachdem wir uns zwei Wochen nicht gesehen hatten) ist gescheitert.
Dieses "über alles reden" hilft einem recht wenig, wenn es einfach an regelmäßigen Oasen für gemeinsames Erleben, Entspannung, Spaß und ein bisschen Romantik mangelt. Sich gegenseitig von seinen Arbeitstagen am Telefon zu erzählen, ist einfach ganz was anderes, als sich nach der Arbeit zu Hause zu treffen, zusammen zu kochen und zu reden und immer Zeit für alle möglichen gemeinsamen Unternehmungen zu haben.
Ich würde Stefan jeden Tag ein bisschen brauchen. Zwei Wochen aufsparen kann ich mir das nicht, bis dahin bin ich schon verdurstet. Obwohl ich jeden Tag dachte, wie schön es wäre, ihn jetzt zu sehen, waren mir die zwei ein halb Tage am Stück, die er bei mir war, dann viel zu viel. Obwohl ich das gar nicht will, habe ich mich inzwischen schon wieder irgendwie daran gewöhnt, allein zu wohnen. Das Wetter war schlecht und wir haben viel Zeit zu zweit in meiner kleinen Single-Wohnung verbracht.
Früher, als wir noch in Stuttgart zusammen wohnten, haben wir uns nie so zusammen gelangweilt. Bevor das passieren konnte, war einer von uns schon aus dem Haus und machte Sport (er Fußball, ich schwimmen) oder traf sich mit seinen Freunden. Ich habe an diesem Wochenende auch gemerkt, was für einen Unterschied es macht, wenn man nicht mehr das gleiche Umfeld hat.
Stefan kennt hier niemanden. Und wenn ich etwas erzähle, muss ich immer soviel dazu erklären, dass ich das Gefühl habe, mit einem Fremden zu sprechen, weil er sich auch nichts aus meinem neuen Leben merken kann. Irgendwann am Sonntagvormittag haben wir dann gar nichts mehr geredet und ich glaube, wir waren beide traurig darüber.
Ich habe ja damit gerechnet, dass das Abenteuer F. (so hat es Stefan genannt, als klar war, dass er Strohwitwer wird) auch schwierig werden kann, aber ich dachte eher an (leidenschaftliche) Sehnsuchts- und Eifersuchtsattacken statt an (ernüchternde) Sprachlosigkeit. Das Abenteuer F. funktioniert anders als ich dachte, aber ich werde weiter nach dem richtigen Weg suchen...
1 Kommentar: Zeit lassen! (2005-07-14)Neuer Kommentar
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