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Angela werden
Mir war die Frau von Anfang an egal. Ich verstand nur nicht, wie so ein uninteressanter
Mensch so viel Macht anhäufen konnte. Für mich war Angela Merkel immer nur eine
unattraktive, farblose Ossi-Tante: optisch und inhaltlich. Die Debatten über ihre
Frisur waren zwar emanzipations-technisch gesehen absolut daneben, aber ich fand es
trotzdem amüsant.
Seit sie Kanzlerkandidatin ist, beschäftigt mich aber die Frage, ob nun nicht meine weibliche
Solidarität gefragt ist. Soll ich die Partei wählen, deren Programm mir am besten gefällt oder
etwas für „Frauen an die Macht" tun? Endlich eine deutsche Kanzlerin zu haben,
wäre toll.
Ich habe noch nie CDU gewählt, und nachdem ich jetzt in Bayern lebe, müsste ich für Angie
sogar CSU wählen. Eigentlich will ich das auf keinen Fall. Schon deswegen nicht, weil es
Tradition ist, am Wahlabend mit meinem Vater zu streiten. Er kann sich immer wieder
herrlich darüber aufregen, dass jemand nicht begreifen kann, dass die Union im Vergleich
zum Rest das einzig Wahre ist.
Ich sollte Angela aber trotzdem meine Stimme geben. Angeblich sammelt ja Gerhard
Schröder nur durch seine Ausstrahlung speziell bei den Frauen Sympathiepunkte. Eine
Parallele hierzu bei Angela und den Männern muss man leider ausschließen. Daher sollten
sich die Frauen am Riemen reißen und erst Recht ein bisschen Solidarität beweisen.
Außerdem will sie bestimmt kein Gesetz gegen Vaterschaftstests einführen, so wie die
derzeitige Justiz-Ministerin.
Überhaupt, was mache ich mir so viele Gedanken. Realistisch gesehen macht es wohl keinen
großen Unterschied, wer gewinnt. Die deutschen Probleme werden von keiner Partei in Luft
aufgelöst. Ein Grund mehr, etwas für die Umsetzung der Emanzipation zu tun.
Bis zum Wahltag will ich daran arbeiten, meine dummen, kleinen Ressentiments abzubauen
und ich dachte mir, ein bisschen mehr Identifikation kann nicht schaden. Das Stichwort heißt
„Angela werden". Al erstes werde ich zum Friseur gehen und mir das neueste Merkel-Modell
verpassen lassen. So signalisiere ich auch anderen, dass „Angela werden" der Sommertrend
bei deutschen Frauen ist.
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