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Wieder „Zu Hause"
Nun bin ich seit einer Woche wieder zurück und meine Post-Urlaubs-Depression hat sich
auch verzogen. In den ersten Tagen in Regensburg nach diesen drei Wochen Spanien-Urlaub
habe ich gemerkt, dass ich mich mittlerweile schon ein bisschen zu Hause fühle hier. Ich habe
mich tatsächlich eingewöhnt in der Kapitale der Oberpfalz.
Ich genieße es, wieder mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, einen „Ratsch" mit der
Nachbarin zu halten (die mit dem Baby, das wochenlang keinen Namen hatte) und in meiner
Lieblingsbäckerei Mohnschnecken zu kaufen. Fast als Einheimische habe ich mich am
Wochenende gefühlt, als ich nach einer durchtanzten Nacht mit neuen Bekannten am frühen
Morgen eine „Knackersemmel" verspeist habe.
Als ich Stefan von meiner neuen Regensburg-Vertrautheit erzählt habe, meinte er: „Als
nächstes machst Du wohl einen Nebenjob als Touri-Führerin im Thurn-und-Taxis-Schloss
und einen Knödel-Kochkurs. Und, er freue sich, dass ich mich nun „zu Hause" fühle. Ich
glaube aber, insgeheim neidet er mir das ein bisschen an. Bis vor Kurzem habe ich noch
täglich am Telefon rumgejammert, wie gern ich doch gerade jetzt in Stuttgart wäre.
Jetzt ist Stefan der Jammerer. Während ich endlich meine neue Stadt erobere, wird er Stück
für Stück einsamer – und das in der Heimat. Der Großteil unserer alten Clique ist ja eh schon
in ganz Deutschland verteilt, inklusive Außenposten in London. Ich habe im Mai meine Zelte
abgebrochen. Und nun löst sich auch noch seine Band auf. Nach acht Jahren. Sowohl
Schlagzeuger als auch Sänger bekommen Kinder und wollen nun am Wochenende lieber
Schlaflieder statt Rocksongs singen.
Mein Lieber ist daher in Nostalgie und Melancholie verfallen. „Der allgemeine Verfall seines
sozialen Umfelds" – wie er es nennt – macht ihm gewaltig zu schaffen. (Hat er natürlich erst
zugegeben, nachdem ich kräftig gebohrt hatte.) Gleiche Stadt, gleicher Job, aber Freundin und
Freunde sind nicht mehr da. Während sich bei mir nach dem Urlaub ein Endlich-zu-Hause-in-
Regensburg-Gefühl eingestellt hat, fühlt er sich in der Heimat verlassen.
Ich habe ihn tröstet. Klar. Aber ich habe mir auch zum ersten Mal gedacht, dass es besser ist,
loszulassen und zu neuen Ufern aufzubrechen (auch wenn es schwierig ist), als im gleichen,
anscheinend so bequemen Heim zu verharren und sich, ohne einen Millimeter bewegt zu
haben, in einem neuen Leben wieder zu finden.
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