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Freundinnen
Kaum ist meine Beziehung wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser geraten,
machen meine Freundinnen Stress. Julia ist sauer, weil ich mich seit drei
Wochen nicht mehr gemeldet habe. Miriam hat seltsame Schwangerschaftslaunen
(liegt wohl daran, dass natürlich immer noch nicht klar ist, ob sie ihrem
Freund sein oder ein Kuckucks-Kind ins Nest legen wird) und auch zwischen
Anke und mir liegen seltsame Spannungen in der Luft.
Einen richtigen Grund dafür gibt es nicht. Und das ist wohl das schlimmste,
was einem mit Freundinnen passieren kann: Einen konkreten Anlass zum
Streiten gibt es nicht. Stattdessen breiten sich negative Schwingungen aus,
die irgendwann wie schwerer, undurchsichtiger Nebel die Sicht auf den
anderen versperren.
Aussprachen über die seltsame Kommunikationsstörung führen zu nichts, denn
jedes Wort in der Metakommunikation fordert mindestens zehn weitere zur
Erklärung heraus. Die mündliche Problemerörterung kratzt nur an der
Oberfläche. Was darunter liegt, das traut sich entweder keiner
auszusprechen oder es ist tatsächlich absolut unklar, was die wirklichen
Gründe für das Freundinnen-Problem sind. Und vielleicht geht es darum auch
gar nicht.
"Vielleicht ist einfach das Haltbarkeitsdatum abgelaufen", meinte mein
Freund Stefan zu dem Thema, "auseinander gelebt, oder so." Ja, je länger
ich darüber nachdenke ... das könnte tatsächlich sein. Meine anderen
Freundinnen teilen zwar auch nicht gerade meinen Alltag, weil mittlerweile
jede woanders wohnt, aber wenn wir telefonieren oder uns sehen, können wir
trotzdem super reden.
Anke dagegen ist eine Macher-Frau, d.h. entweder man trifft sich und macht
etwas zusammen oder es ist gar nichts. Telefonieren oder emailen mag sie
nicht. Trotzdem ist es komisch, eine Freundin zu verlieren. Bei verflossenen
Lovern kann man Gott und die Welt davon voll heulen, wenn es mit einer
alten Freundin auf einmal nur noch seltsam ist - wem erzählt man das?
Ich habe mir dafür Stefan ausgesucht. Und der hat dann irgendwann gesagt,
triumphierend: "Das hättest Du nicht gedacht, oder? Deine alte Busenfreundin
verabschiedet sich still und leise, aber wir sind immer noch zusammen."
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