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Samenbank-Kind
Während ich täglich damit beschäftigt bin heraus zu finden, wer der Vater von Kindern ist,
will meine Freundin Julia gar nicht wissen, wer der Erzeuger ihres eventuellen Nachwuchs ist
bzw. sein wird. An der Gute nagt der Neid, seit sie weiß, dass die ehemalige Partymaus,
unsere gemeinsame Freundin Miriam, vor ihr Mutter werden wird. Sie selbst, die seit Jahr und
Tag neugierig in Kinderwägen blickt, ist leider nach zehn Jahren Beziehung von ihrem
Freund verlassen worden und hört ganz laut die biologische Uhr ticken. Gestern hat sie mir
offenbart, dass sie nun ernsthaft an eine anonyme Samenspende denkt.
Sie habe schon mal im Internet nach Samenbanken recherchiert, sagte sie. Julia ist 33, ich
habe ihr gesagt, sie könne doch noch abwarten, ob sich noch ein potenzieller Vater im
wirklichen Leben findet. Sie meint aber, dafür könne sie nun keine Zeit mehr vergeuden.
Schließlich wolle sie auch keine uralte Mutter sein und jetzt seien ihre Eltern noch fit genug,
um sie gegebenenfalls als Alleinerziehende zu unterstützen.
Ich war wirklich von den Socken. Auf so eine Idee wäre ich nie gekommen und ich bin mir
nicht so sicher, was ich davon halten soll. Bei meinen Vaterschaftstests sind es ja manchmal
auch die Kinder, die wissen wollen, wer nun tatsächlich ihr Vater ist. Da kommen allerdings
meist nur zwei Männer als mögliche Väter in Frage. Bei einem Samenbank-Kind können es
dagegen theoretisch Millionen sein. Das muss ziemlich seltsam sein.
In der Nacht hatte ich dann einen Alptraum. Ich war Julias Kind und lief durch die Straßen
einer großen Stadt. In der sonst grauen Menschenmenge fielen mir immer wieder Männer auf.
Die Männer wurden immer mehr, wurden komischerweise auch immer größer, und kamen
schließlich alle auf mich zu. Der könnte dein Vater sein, oder der, oder der, oder der. Ich
bekam Panik und wollte weglaufen. Aber ich kam nicht mehr heraus, die ganzen potenziellen
Väter hatten einen Kreis um mich gebildet und schrien: „Du weißt es nicht, Du weißt es
nicht!" Dann hörte ich ein lautes Gegröle und Gelächter.
Gott sei Dank rettete mich mein Wecker aus der unangenehmen Lage und ich stand auf, und
rief sofort, vor dem Frühstücken meinen Vater an. „Nanu", sagte der, „Du, um diese Uhrzeit.
Ich kenn ja mein eigenes Kind nicht mehr." „Na, Hauptsache, ich kenn dich", dachte ich mir.
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