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Richtungsweisender Streifen
Wenn ich irgendetwas teste handelt es sich zu 99 Prozent um die Vaterschaft oder Nicht-
Vaterschaft von Menschen die ich überhaupt nicht kenne. Seit heute denke ich daran, genau
das Gegenteil zu tun: Die "Mutterschaft" testen und zwar bei dem Menschen, den ich
wahrscheinlich am besten überhaupt kenne – mir selbst. Man nennt es auch
Schwangerschaftstest.
Gestern habe ich mal nachgerechnet, wann ich die letzte Regel hatte. Da ich mir so was nicht
aufschreibe, müsste ich mir über einige Gedankenbrücken helfen. Schließlich fiel mir ein,
dass ich fürchterlich Bauchweh hatte, als ich vor sechs Wochen in Berlin durch das
Holocaust-Denkmal wandelte – und das lag nicht nur an den KZ-Assoziationen. Die Regel
also zwei Wochen überfällig. Kommt bei mir eigentlich nie vor.
Zwischen Berlin und dem Test aus der Apotheke, der sich noch in meiner Handtasche
versteckt, liegen zwei Stefan-Treffen, eines mit spontanem Sex ohne Kondome. Ich fand es
noch super, dass in unserer Beziehung, die ja dieses Jahr schon ziemlich am Abgrund stand,
wieder so tolle Sachen passieren. Jetzt finde ich es verantwortungslos und dumm.
Ich könnte mich grün und blau ärgern. Als Teenager wäre mir das nicht passiert, aber jetzt im
angeblich reifen Erwachsenen-Alter! Meine Freundin Miriam (derzeit im 6. Monat) habe ich
noch ausführlich meine Meinung gesagt zu munterer Matratzen-Gymnastik ohne an mögliche
Folgen zu denken.
Abgesehen davon, dass ich eigentlich erst mal beruflich durchstarten wollte, sind die
Voraussetzungen auch so denkbar schlecht für eine Familiengründung. Stefan und ich
wohnen hunderte von Kilometern auseinander.
Naja, egal jetzt werde ich mal dieses Stäbchen auspacken und dann vier schreckliche Minuten
warten, welche Farbe das Teil annimmt…
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