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Backe, backe Plätzchen
Kaum zeigt sich der erste Advent, da bricht der kollektive Plätzchenwahn aus. In den Supermärkten bersten die Regale vor gemahlenen Mandeln, seltenen Gewürzen, die man sonst das ganze Jahr nicht braucht und allerlei Geschmacksaromen
In der Mittagspause übertreffen sich die Kolleginnen mit ihren jeweiligen Spezialrezepten und beraten das optimale Zutaten-Set für Elisenlebkuchen. Auch ich habe mich dieses Jahr vom allgemeinen Backfieber anstecken lassen und schon drei Sorten fabriziert. Schön wars.
Stefan konnte ich leider nicht zum Mitmachen bewegen. Die männlichen Arbeitskollegen sagten auch nichts zum Thema Plätzchen (außer welche Sorte sie gerne gebacken bekommen würden). Die Weihnachtsbäckerei ist eine der letzten wahren Frauen-Domänen, ein total vergessenes Thema der Emanzipation.
Oder kann sich jemand daran erinnern, dass jemals Männer zum Ausstechen von Zimtsternen oder Beklecksen von Oblaten erzogen werden sollten? Nein, warum auch. Ich finde, solange die Gleichberechtigung nicht voll verwirklicht ist, darf den Männern der Zauber des vorweihnachtlichen Plätzchenbackens ruhig vorenthalten werden.
Was das genau ist, was bislang immer noch fast ausschließlich uns Frauen gehört? – Die Plätzchen-Nebenprodukte, als da wären:
1. Ausleben von Kreativität: Den Möglichkeiten der Verzierungskunst der Leckerli sind keine Grenzen gesetzt. Wer sich mal richtig kreativ austoben will, kann dies auf seinen Weihnachtsplätzchen bedenkenlos tun. Immerhin entstehen keine Ölgemälde, die danach die Wohnzimmerwand verschandeln, sondern Mini-Kunst-Werke, die bei Nicht-Gefallen auch ganz schnell verspeist werden können.
2. Ausleben von Aggressionen: Bei diversen Rezepten muss der Teig mit vollem Einsatz geknetet werden und anschließend mit Druck ausgewalzt werden. Wer also schon länger seine Lust unterdrückt, das Nudelholz einzusetzen, kann dies hier tun, ohne seine Mitmenschen zu schädigen.
3. Maximale Gemütlichkeit: Was kann gemütlicher sein, als der Duft von Anis, Zimt, Kardamon und Vanille, dabei im Warmen zu sitzen, während es draußen kalt und dunkel ist. Und was entspannender sein, als beim Kneten, Rollen und Formen den Alltagsstress zu vergessen.
Ob die Männer das irgendwann noch begreifen werden? Stefan will zumindest nächstes Wochenende bei den nächsten drei Sorten mal probeweise mitmachen. Mal schauen, ob er in die Back-Oase überhaupt rein darf.
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