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Fest der Familie
Obwohl gerade erst der Nikolaustag vorbei ist, streiten sich unsere Familien schon darum, wo wir den Heiligen Abend verbringen werden. Stefans Familie ist ziemlich groß und traditionell versammeln sich nicht nur die insgesamt vier Geschwister samt Ehepartner plus Kinderscharen bei seinen Eltern unterm Christbaum, sondern auch noch diverse Tanten, Onkel, noch lebende Großeltern und sogar (verwitwete) Freunde der Familie. In dieser Demonstration inniglicher Nächstenliebe darf keiner fehlen. Natürlich auch Stefan und ich nicht.
Meine Eltern argumentieren mit dem genauen Gegenteil. Da schon meine Geschwister nicht zu Plätzchen, Mettenwürsten und Weihnachtsliedern antreten wollen, sollen wenigstens Stefan und ich kommen. Weihnachten sei doch das Fest der Familie und nicht der einsamen Eltern, heißt es dann. Erst am 1. oder 2. Weihnachtsfeiertag einen Besuch abzustatten, lassen sie nicht gelten. Das sei nicht dasselbe, heißt es dann. Der richtige Weihnachtszauber sei am Heiligabend und den solle man mit seinen Liebsten verbringen.
Leider hat diese familiäre Außeneinwirkung auch dazu geführt, dass Stefan und ich in Streit geraten sind. Ich will lieber zu meinen Eltern, er zu seinen. Ich sehe nicht ein, warum ich zu seinen Eltern gehen soll, in deren Haus sowieso ein gutes Dutzend Weihnachtsgäste gemeinsam frohlockt, während meine ein einsames Klagelied über ihre untreuen Töchter singen müssten.
Außerdem müsste ich mir bei ihm ein bis zwei schwangere Bäuche vorzeigen lassen und mir Hinweise auf das Glück der Mutterschaft anhören. Nicht nur Stefan, sondern seine komplette kinderreiche- und liebende Familie ist der Meinung, ich/ wir sollte(n) mit der Aufzucht von Nachwuchs beginnen. Und das will ich mir lieber nicht anhören. Meine Eltern sind da eher zurückhaltend. Möglichst viele Enkel zu haben, ist ihnen nicht so wichtig.
Mittlerweile droht Stefan, wenn ich nicht zu ihm mitkomme, geht er eben allein zu seiner Familie. Dabei ist er schon richtig gemein geworden, und sagt: „Dort treffe ich wenigstens ein paar Kinder, wenn ich schon keine eigenen kriege.“ Unglaublich ist das: Weihnachten als Familiengründungs-Druckmittel. Aber nicht mit mir. Jetzt erst recht nicht. Ich bleibe bei Vaterschafts- statt Schwangerschaftstests.
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