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Nicht-Rauchen
Kaum war ich nach dem Weihnachtsstress wieder ein paar Tage in meiner Regensburger Wahlheimat, hatte das neue Jahr arbeitstechnisch mit sieben positiven Vaterschaftstests in Folge eröffnet und kaum hatte ich drei Abende ohne Alkohol und stundenlangen Nonsens-Gespräche verbracht, musste ich schon überraschend zu einem Freundin-Unterstützungs-Wochenende aufbrechen.
Nein, es ging nicht um Liebeskummer. Es ging um etwas viel schlimmeres. Anke will endlich erfolgreich Nicht-Raucherin werden. Nach 13 Jahren voller blauem Dunst und stinkendem Qualm will sie nun endlich etwas für Gesundheit, Aussehen und Lebenserwartung tun. Eigentlich war das große Ende vom Rauchen schon zum 30. Geburtstag vor einem halben Jahr angekündigt gewesen.
Damals hielt Anke das Nicht-Rauchen aber nur zwei Tage aus. Jetzt hatte sie zum Jahresbeginn 2006 einen neuen starken Entschluss gefasst, endlich aufzuhören. Der Vater einer Arbeitskollegin, ein Kettenraucher, war im Dezember an Lungenkrebs gestorben und außerdem zieht sie mit ihrem neuen Freund (der aber leider auch raucht und somit keine große Hilfe ist) eine baldige Schwangerschaft in Betracht.
Am Donnerstagabend rief sie plötzlich, mit den Nerven am Ende, an. Es war der 5. Tag ihres neuen rauchfreien Lebens. Sie überschlug sich beinahe beim Sprechen in ihrem Mitteilungszwang. Rauchen aufhören sei das schwierigste Projekt ihres Lebens. Alle Tipps seien Schwachsinn. Nikotin-Kaugummis seien einfach keine Zigaretten, Kaffee ohne Kippe wie Sex ohne Orgasmus, rauchende Menschen zu meiden, unmöglich und wenn sie nicht sofort eine raucht, würde sie die Wände hochgehen.
Ich als stets nicht-rauchende Freundin war auserkoren, sie am ersten nikotinfreien Wochenende im neuen Jahr moralisch zu unterstützen. Anke zuliebe war ich also schon wieder in Stuttgart. Ich war mit ihr schwimmen, saunen, spazieren - immer begleitet von stundenlangem Gejammer "Wie soll ich das nur aushalten, Katja! Darf ich nur eine halbe Zigarette rauchen?" Mein Part war stets Nein zu sagen und immer wieder Nein. Allerdings tut sie mir auch wirklich leid.
Am Montagabend hat sie wieder angerufen und mitgeteilt, dass sie wieder einen Tag "ohne" geschafft hat. Ich bin stolz.
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