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Geschichte biologisch
In der Schule waren Biologie und Geschichte meine Lieblingsfächer. Besonders interessant
fand ich die Mendel´schen Gesetze und die Steinzeit. Später, als ich im
Berufsinformationszentrum meine Interessen in den Computer hackte, um so heraus zu
finden, was ich werden sollte, konnte das Programm Biologie und Geschichte zu keinem
einzigen Traumberuf verbinden. Es gab entweder Berufe mit Bio oder welche mit Geschichte.
Weil mir die biologischen Jobs damals gewinnträchtiger erschienen, als die
geschichtsrelevanten, studierte ich Biologie und bin heute Vaterschaftstesterin.
Seit ich den Weg als Biologin eingeschlagen hatte, war ich mit der Steinzeit nur ab und zu im
Urlaub in Berührung gekommen, wenn ich Stefan zur Besichtigung von Steinzeithöhlen
gezwungen hatte. Nun, endlich, zehn Jahre nach der schwierigen Berufswahl, habe ich von
einem Projekt erfahren, das meine beiden Neigungen wunderbar verbinden würde: In
Sachsen-Anhalt, wo im vergangenen Sommer vier Familiengräber aus der Steinzeit entdeckt
worden waren, sollen die genetischen Profile der Toten ermittelt werden.
Ähnlich wie bei meiner täglichen Arbeit, geht es darum, zu beweisen, wer die biologischen
Eltern der vorgefundenen Kinder sind bzw. waren. Es handelt sich sozusagen um
Vaterschaftstests nach 4400 Jahren. Die DNA-Tests helfen, Einblicke in die damaligen
sozialen Strukturen zu bekommen. Ich finde das unglaublich spannend. Am liebsten würde
ich mir eine Auszeit nehmen und bei dem Projekt in Sachsen-Anhalt mitarbeiten.
Natürlich ist das leider unmöglich. Mein Urlaubsanspruch ist begrenzt und abgesehen davon,
gibt es auch hier im Labor genug zu tun. Nur kann ich hier keine Beiträge zur
Steinzeitforschung leisten. Das Gejammer über meine verhinderte Karriere als in der Steinzeit
forschende Biologin mussten sich auch meine Kollegen anhören. Seitdem wird reichlich Spott
über mich vergossen.
Sie foppen mich nun mit Bemerkungen wie: „Heute leider keine Neandertaler, nur aktuelle
DNA im Angebot" oder schlagen mir vor, doch am Wochenende im Garten zu buddeln.
„Vielleicht findest Du ein paar alte Hühnerknochen zur Überprüfung früherer
Familienstrukturen in Geflügel-Verbänden."
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